Outdoor-Tour auf Eigene Faust: 8 Tage, 2 Mann und ein Kanu

„Lass uns doch mal was ganz anderes machen.“ So begann das erste Outdoor-Abenteuer der beiden. Justus und Sascha, zwei Kumpels die schon so ziemlich alles durchmachten und nun die Fernweh gepackt hat. Ein Urlaub sollte es sein, der anders werden sollte als die wilden Party-Trips oder Pauschal-Tourismus-Reisen. Weg von hier, draußen und komplett auf sich allein gestellt sein. Wie die beiden zu dieser Idee kamen und welche Abenteuer sie dabei erlebten, könnt Ihr hier lesen.

Im Sommer 2016 war es soweit. Acht Tage mit dem Kanu durch die Region Nordmarken in Schweden. Alles was die beiden mitbekommen haben war ein Kanu, ein Zelt, eine wasserdichte Tonne mit Verpflegung sowie eine Kiste mit sämtlichen Werkzeug um draußen über die Runden zu kommen.

Zunächst einmal: Wie kommt man auf die Idee?

Erwartungsvolle Momente: Nachdem sich die Schleuse öffnet, tauchen die beiden ein in eine völlig neue Welt abseits der Zivilisation.

Sascha: Das ist eine sehr gute Frage. Wir hatten schon länger vor einen Urlaub zu machen, der ein wenig anders sein sollte. Mich zog es schon immer nach draußen, vor allem in die Berge. In meiner Heimat liegt der Nationalpark-Harz ganz in der Nähe. Durch das Mountainbiken bin ich ziemlich oft an der frischen Luft unterwegs, wobei sich vermehrt der Drang nach einem längeren Outdoor-Trip aufgebaut hat.

Justus: Die endgültige Entscheidung fiel eigentlich beim Angeln. Wir sind nicht gerade die größten Profis darin, haben aber eine ziemlich große Klappe. Uns kam die Idee zu einem Urlaub, an den wir es mit den richtig dicken Fischen aufnehmen konnten. Wir malten uns aus, wie wir auf dem Kanu mitten in der Wildnis die dicksten Fische fangen. Etwa so, wie man es aus den Fernsehen kennt. Verrückt genug sind wir ja. Kurz laut gelacht, abgeklatscht und das Ding stand fest.

Wie habt Ihr euch das ganze Vorgestellt?

Sascha: Ich muss sagen, so etwas kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Ich dachte halt man paddelt mal eben auf dem See rum, fängt ein paar große wilde Fische, schmeißt das Lagerfeuer an und chillt den ganzen Tag in der Sonne auf dem Kanu mit den Füssen im Wasser…

Und wie war es wirklich?

Sascha: Es war wirklich das reinste Abenteuer und vor allem anstrengend!  Nachdem wir die ersten Meter hinter uns hatten, mussten wir erst einmal durch eine Boots-Schleuse durch. Zuerst wurden jedoch die Reisenden auf der anderen Seite durchgeschleust. Uns kamen komplett entspannte Paddler mit breitem Grinsen entgegen, winkten, lachten und wirkten komplett entspannt. Wir schauten uns gegenseitig an und mussten selbst erstmal lachen. Die waren einfach auf einem ganz anderen Level wie wir. Wie gesagt, wir wussten nicht was uns erwartet. Als wir dann in der Schleuse waren, und die Tore endlich aufgingen wurde es mir plötzlich ganz anders. Wir schauten auf einen RIESIGEN SEE! Die nackte Natur direkt vor unseren Augen, weit und breit kein Haus. Die geballte Sonne Schimmerte über das klare Wasser, und so langsam verstand ich erst wo wir hier überhaupt waren. In Deutschland hatte ich schon einige schöne Plätze gesehen, aber der Anblick sprengte meine bisherigen Vorstellungen.

Sonnenuntergang in Schweden-Nordmarken

Robinson Crusoe Feeling: Im Schweden ist Wildcampen unter freiem Himmel noch erlaubt

Justus: Wir haben dann erst einmal nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Paddel-Technik die erste Insel angesteuert, auf der wir uns dann niederließen. Und da ging es auch schon los – Was machen wir jetzt? Um die Nacht zu überstehen musste erst einmal alles aufgebaut werden. Holz sammeln, ein vernünftiges Feuer anbekommen und am brennen halten, Camp aufbauen und noch unzählige kleine Aufgaben die den ganzen Tag füllten. Von Zuhause aus war alles ganz einfach. Knopf drehen und der Herd ist an. Bis unser „Herd“ erst vernünftig gebrannt hat, sind 3 Stunden vergangen. Es hat die Nacht geregnet, was die Suche nach trockenem Holz deutlich erschwerte. Beim Angeln konnten wir ebenfalls nichts erreichen, Also haben wir uns entschlossen uns aus der Verpflegungs-Tonne ein Menu zu Zaubern. Nach 4 Stunden war die erste Portion Nudeln fertig, die Sascha beim abkippen über den ganzen Boden verteilte. Eine Stunde später war die zweite Hälfte der Nudeln endlich fertig, und so langsam fängt man an, das zu schätzen was man hat. Die einzige Packung Nudeln lagen zur Hälfte schon mal auf dem Boden. Insgesamt hat es  5 Stunden gedauert bis wir endlich Essen konnten.

Wie sah euer Alltag aus?

Freiifut Angeln: Eine Angelkarte Kostet in Schweden rund 25 Euro. Ein Angelschein benötigt man dazu nicht.

Angeln in der Wildnis: Eine Angelkarte Kostet in Schweden rund 25 Euro. Ein Angelschein benötigt man dazu nicht.

Sascha: Im Laufe der Reise fängt man an, sich den Zeiten der Natur anzupassen. Mein Tagesablauf besteht normalerweise aus mehreren Aufgaben über den Tag verteilt. Das ganze „Ich muss jetzt hier, ich muss jetzt da, und am besten sofort machen“ gibt es da draußen nicht. Man kommt einfach auf seine persönliche Basis. Wir haben uns entschlossen die Gegend mit sämtlichen Inseln und Ufern mit dem Kanu zu entdecken und erst einmal zu Reisen. Unsere Fähigkeiten mit Camp Aufbauen, Feuer machen, Essen zubereiten wurden mittlerweile zur Routine. Somit hatten wir endlich Zeit unserem Ziel, einen Riesen Fisch zu fangen, näher zu kommen. Ziemlich erfolglos – wenn die Natur nicht so tickt wie du willst, dann tickt die Natur halt nicht so. Irgendwann fängt man an sich in der Sonne auf die Felsen zu setzen, den ganzen Tag aufs Wasser zu gucken  und einfach nur zu genießen.


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Was war euer prägendstes Ereignis?

Justus: Der Moment an dem wir fast drauf gegangen wären 😀 Wir hatten eine ziemlich lange Tour hinter uns, und waren einfach nur froh an unserer Lieblings-Insel angekommen zu sein. Wir fuhren in eine kleine Bucht um unser Boot anzulegen und schmissen schnell unser Gepäck an Land. Wir setzten uns erst einmal auf einen Felsen um runter zu kommen, und feierten Uns selbst endlich da zu sein… Der Moment war perfekt: Die warme Sonne schimmerte über die gesamte Breite des Sees, ein angenehmer Abend für ein kühles Bier, die Füße vom Felsen hängen und in die weite schauen. Auf die grünen Wälder, das klare Wasser uns Unser Boot mehrere Hundert Meter von der Insel entfernt.

Sascha: Ich hörte Justus schreien, „SASCHA! UNSER BOOT!“ und fing erst mal laut an zu lachen. Blitzschnell rannten wir ans Ufer und ich wollte eigentlich wie bei Baywatch ins Wasser springen und das Boot zu retten. Ich war mir nicht ganz sicher was wir dazu brauchten. Paddel um wieder zurück zu kommen? Schwimmwesten um nicht unter zu gehen? Justus traf zum Glück die richtige Entscheidung, und drückte mir die Schwimmweste in die Hand. Kurzschluss-Reaktion und rein. Nach den ersten Zehn Metern wurde es plötzlich A*** -Kalt, und ich muss zugeben so langsam bekam ich es mit der Panik zu tun. Die Körpertemperatur sank immer weiter, das Boot schwamm immer weiter von uns weg und ich fing Langsam an Wasser zu schlucken durch die Kurzatmung. Das Ganze war dann gar nicht mehr witzig und wir waren wirklich in einer Not-Situation. Uns packte aber unser Ehrgeiz, was anderes konnten wir in der Situation aber auch nicht tun. Nach 20 Minuten im Kalten Wasser, haben wir aber wirklich das Boot erreicht und haben es zurück ans Wasser gezogen. Unsere Kerntemperatur war im kritischen Bereich und wir haben uns erst einmal in unseren Schlafsack gelegt, und wieder klar zu kommen.

Unter freiem Himmel: Kaum Häuser und Privatgelände. Der perfekte Ort zum abschalten

Unter freiem Himmel: Kaum Häuser und Privatgelände. Der perfekte Ort zum abschalten

Justus: Aufgewacht sind wir dann durch laute Helikopter-Geräusche am Himmel. Wir gingen kurz ans Ufer und sahen zusätzlich ein Rettungsboot das über den See fuhr. Wir haben uns nur verwundert angeguckt und haben die Situation einfach Situation sein lassen. Wir wissen bis heute nicht ob die wegen uns kamen – Falls ja, Danke an denjenigen der uns gesehen hat…

Zur Organisation – Wie lief das ganze ab?

Justus: Kurz gesagt – Reibungslos. Mit dem Reisebus wird man an der nächstliegenden Großstadt abgeholt. Über Dänemark geht es mit der Fähre weiter bis nach Schweden. Der Bus fährt direkt bis ans Camp. Dort bekommt man nach kurzer Einweisung seine Ausrüstung. Ein wasserdichten See-Sack in dem das Reisegepäck verstaut wird, eine Tonne mit ausreichend Verpflegung für die ganzen Tage, eine Werkzeugkiste mit Säge, Kocher, Wasserbehälter etc. sowie ein Zelt, Schwimmwesten und natürlich das Kanu. Der Reisekoffer oder Rucksack wird im Camp verstaut. Ab dann geht die Reise ins ungewisse auch schon los. Karte rausholen, Ort anpeilen und  paddeln.



Würdet Ihr so einen Abenteuer Trip nochmal machen?

Sascha: Ich will NUR NOCH so etwas machen. Mein nächstes Ziel sind die Alpen oder eine längere Tour mit einem größeren Boot auf Hoher See. Ich habe jedoch bemerkt das für Trips dieser Art eine Menge Training notwendig ist, sowie ausreichend Erfahrung. Einfach mal so eine Tour machen kann ganz schön in die Hose gehen. Ich sehe diese Reise also als Einführung & Trainings-Stufe zu den nächsten Outdoor-Trips. Ich sehe das Ganze auch eher als Sport an, und spiele mit dem Gedanken mir ein eigenes Sport-Kajak zu kaufen und weitere Ausrüstung.

Justus: Die Abenteuer-Lust hat uns auf jeden Fall gepackt. Ich habe bemerkt, dass die wirklich interessanten Reisen draußen stattfinden. Ich verstehe mittlerweile sogar, dass ganze Familien mit Ihren Kindern Touren dieser Art machen. Man lernt sich und seine Fähigkeiten einfach besser kennen. Ich würde sagen diese ganzen Eindrücke haben uns definitiv nachhaltig geprägt. Trotz der ganzen Anstrengungen war ich nach der Tour einfach so entspannt wie noch nie.

Es gibt also demnächst mehr von euch zu hören?

Sascha: Definitv! Seine Storys im Internet zu verewigen ist eine Tolle Sache. Wie gesagt wir haben noch einiges vor, und es sind schon die nächsten Dinge geplant von denen wir fleißig berichten werden. Vielleicht können wir ja andere dazu inspirieren mehr zu erleben oder zu neuen Reise-Ideen verhelfen.

Weitere Bilder der Reise

Daten Zur Reise
  • Ort: Schweden – Region Nordmarken
  • Länge: 9 Tage (2 Tage An & Abfahrt)
  • Anreise: Reisebus
  • Kosten: *Abhängig von Saisonzeit. Maximal ca. 500 €
  • Benötigte Ausrüsung: Wetterfeste -Kleidung, Outdoor Schuhe, Lampe, etc.

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